Als eine unserer gesellschaftlichen Besonderheiten nehme ich häufig den Wunsch nach Kontrolle wahr. Planen können, wie das Leben läuft und ausgeht. Unvorhergesehenes nicht entstehen zu lassen sondern schon im Keim zu ersticken, um Ungewissheit nicht spüren zu müssen.
Dabei liegt der Fokus immer mehr auf dem Ziel als auf dem Weg. Das Ziel kann ich mir konkret vorstellen und abgleichen, ob meine Erwartungen eingetroffen sind. Was mir auf dem Weg begegnet ist ein notwendiges Übel, um endlich da ankommen zu können, wo ich hin will.
Ein Beispiel
Ein Mensch möchte sich ein erfolgreiches Unternehmen aufbauen. Er weiß genau, wo er hin will und arbeitet mit allem, was er hat, auf den Ausgang hin. Auf dem Weg begegnen ihm Herausforderungen, die er möglichst schnell aus dem Weg haben möchte, um seinem Ziel näher zu kommen. Was die Herausforderungen jedoch an Botschaften und Lernerfahrungen bieten, rückt in den Hintergrund. Wenn er sich darauf einlässt, hinzusehen, könnte es den gesamten Ausgang seiner Unternehmung beeinflussen.
Doch die Kontrolle erstreckt sich nicht nur auf unser Leben. Es geht viel weiter und betrifft auch die Menschen, die uns nahe stehen. Wir wollen oft jegliches Leid ersparen und haben eine Idee, wie das Leben der anderen optimalerweise verlaufen sollte. Was der andere braucht, was er halten kann und was wir ihm nicht zumuten, um ihn nicht zu sehr zu fordern oder zu belasten.
Wir denken: „Ich weiß, was dich glücklich macht.“
Vielleicht wäre passender: „Ich bin da, während du herausfindest, was dein Leben von dir will.“
Was genau wollen wir kontrollieren?

Eins der Dinge, das Kontrollmechanismen aktiviert, ist Angst. Angst vor dem Unberechenbaren. Denn alles, wobei wir den Ausgang nicht kennen, könnte schließlich tödlich enden. Und auf den Tod sind viele nicht gefasst. Sie verleugnen, dass dies ein weiterer Teil des Lebens ist.
Wenn wir jedoch genau hinsehen stellen wir folgendes fest:
Durch die Kontrolle halten wir nur die Angst in Schach. Wir verhindern nicht, was wir eigentlich vermeiden wollen. Wir wollen die Angst vorm Tod, vorm Versagen, vorm Verlust, vor „was auch immer“ nicht spüren. Also versuchen wir das Außen zu kontrollieren und drücken so die Angst in uns weg.
Dabei würde der Weg durch die Angst in die Lebendigkeit führen. Ich würde spüren, wovor ich Angst habe. Und handlungsfähig bleiben anstelle in die Vermeidung zu rutschen.
Das Leben lässt sich nicht kontrollieren. Egal wie sehr wir uns anstrengen.
Es bleibt immer ein Restrisiko. Es fließt wie es fließt. Wir können uns entscheiden, gegen den Fluss zu schwimmen (Kontrolle & die Idee, es besser als das Leben zu wissen). Mit viel Krafteinsatz. Doch irgendwann ermüden wir, geben uns hin und fließen da hin, wo das Leben hinfließt.
Warum weniger Kontrolle mehr Ruhe bringt
Kontrolle findet im Kopf statt. Der Verstand berechnet alle möglichen Wahrscheinlichkeiten und Risiken, ohne das „große Ganze“ erfassen zu können. Er denkt oder hofft, dass er so den Fluss des Lebens beeinflussen kann. Vielleicht ist das in gewissem Maße auch wahr, doch zu welchem Preis?
Gönnen wir unserem wundervollen Verstand doch eine Pause. Lassen wir ihn sich in der Hängematte ausruhen. Er ist ein wertvoller Ratgeber und nicht dafür gemacht, die Führung im Leben zu übernehmen.
Möchtest du in der inneren Anspannung sein, jederzeit Gefahren berechnen und immer mit dem Schlimmsten rechnen?
Verantwortung für Dinge übernehmen, die weder in deiner Verantwortung sind und du keinen wirklichen Einfluss auf sie hast?
Die Illusion der Kontrolle
Die Frage, was wirklich in unserer Kontrolle liegt, ist essentiell. Hier eine beispielhafte Liste, was ich kontrollieren und was ich nicht kontrollieren kann.
Worüber ich keine Kontrolle habe:
- Was andere Menschen über mich denken und sagen.
- Wie andere Menschen sich verhalten und ihr Leben gestalten.
- Ob Menschen ihr Potential nutzen wollen und können.
- Ob Menschen mich respektieren oder nicht.
- Ob Menschen Drogen nehmen, Krieg führen und Elend in die Welt bringen.
Worüber ich Kontrolle habe:
- Wie ich einer Situation begegne und mit dem umgehe, was das Leben mir präsentiert.
- Ob ich hinsehen und hinfühlen will.
- Ob ich mich für das öffne, was in mir ist.
Und nun?
Doch was können wir tun, wenn wir doch so wenig tun können?
Es gibt sicher viele Möglichkeiten. Mir hilft meist:
- ATMEN und innerlich weit werden.
- Annehmen & dasein lassen, was ist.
- Innere Schmerzen und Ängste ansehen und fühlen.
- Die Idee, etwas im Außen verändern zu können, prüfen.
(Manchmal gibt es durchaus Stellschrauben, an denen wir drehen können, die über den innerlichen Prozess hinaus gehen) - Öffne dich für die Idee, die Dinge sein zu lassen.
Der Prozess des Loslassens
Das Zauberwort heißt Loslassen. Doch Loslassen wird oft missverstanden. Es fühlt sich so an, als müssten wir etwas (aktiv) tun, um loszulassen. Doch es reicht schon, nicht mehr festzuhalten. Öffne deine Hand und lass das Festhalten sein. Entweder, das was du gehalten hast, bleibt – weil es auf natürliche Art und Weise da ist. Oder es geht, weil es eigentlich nicht in deine Hand gehört hat. Und deine Hand ist frei um Neues einzuladen.
Je nachdem, wie lange wir an etwas festhalten, kann das sein lassen herausfordernd sein. Dann machen wir gerne ein Prozess daraus, damit es sanfter wird. Das ist okay und gleichzeitig darfst du dir bewusst sein: Der Prozess ist für dich da, damit das loslassen sanfter ist. Ein Übergang geschaffen wird vom Alten ins Neue.
Warum wir nicht alles halten müssen?
Die Antwort ist kurz und einfach: Das Leben sorgt für dich, auch wenn es oft erst im Nachhinein sichtbar wird!
Und: Du kannst und brauchst auch nicht alles halten.
Du verzettelst und überanstrengst dich.
Gib die Verantwortung für die Dinge, die nicht in deiner Macht liegen, ab.
Nimm an, wenn andere die Eigenverantwortung noch nicht erkennen. Verabschiede dich von der Idee, ihnen den Lernprozess abzunehmen. In dem du für sie die Verantwortung, die quasi im luftleeren Raum herumschwebt, übernimmst.
Verantwortung darf rumschweben. Du kannst keinen Menschen zwingen, Dinge zu sehen und zu erkennen, die er (noch) nicht sehen und erkennen kann oder will.
Wenn Menschen Verantwortung zu dir tragen, die nicht zu dir gehört, prüfe, ob du sie annehmen willst. Und wenn ja, warum?
Wenn du in einer Beziehung (Freundschaft, Partnerschaft…) bist und ein Mensch leidet und es an dir auslässt oder du es nicht ertragen kannst: Gib die Verantwortung ans Universum/Gott, die Urquelle, Geisthelfer, (oder was dein Bild ist), dass der Mensch die Unterstützung vom Leben bekommt, die er braucht.
Und nicht das, was du denkst, was er braucht.

Bedeutet das, dass ich nichts mehr machen brauche und aufgeben sollte?
Nein. Veränderung kann nur aus Annahme entstehen. Auf natürliche Art und Weise. Wenn ich das Leben vom Fließen abhalten möchte, den Fluss des Lebens umlenken möchte, dann bin ich im Widerstand mit dem, was ist.
Wenn ich annehme, was ist, dann fließe ich mit dem Leben mit und kann das Leben spielerisch erkunden, tauchen, auf einem Stein im Wasser Pause machen oder mal ans Ufer schwimmen. Das alles braucht deutlich weniger Energie als gegen den Strom des Lebens anzukämpfen.
Wie fühlst du dich nach dem Lesen dieses Textes?
Hat er dich berührt – im Positiven, wie im Negativen? Wie ist deine Beziehung zur Kontrolle?
Teile gerne in den Kommentaren, was in dir ist.
Du möchtest dich auf Forschungsreise in deinem Inneren begeben?
Fühle dich eingeladen, dich auf deiner Erkenntnisreise von mir begleiten zu lassen. Nimm gerne Kontakt mit mir auf.
Herzensgrüße
Franziska

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